Die Nacht vom 13. zum 14. Februar 1926

„Es erschütterte mein ganzes Leben.“

In dieser Nacht ist Louisa etwas scheinbar Unbedeutendes begegnete, etwas, das kein Aufsehen erregte, das wie ein Traum erschien, aber Wirklichkeit ist. –

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„Es gibt keinen Gott; – was man so sagt, ist nur Komödie; das Leben ist nicht wert, gelebt zu werden.“

Das musste ich mir nach langen Jahren voller Opfer und unnützen Ringens denken: „Es gibt keinen Gott!“

An mein Krankenbett gebunden, war ich von diesem Gedanken wie zermalmt und unfähig zu weinen, ein Wort zu sagen oder eine Bewegung zu machen; ich war einfach wie vernichtet. Meine Freundin hatte gerade das Licht gelöscht. Es herrschte Schweigen. Die Nacht war nicht ganz dunkel, weil draußen Schnee lag. Ach, ich kannte die Not der Verzweiflung: sterben, sterben…

Und da, im Augenblick, als ich mir wiederholte: „Es gibt keinen Gott!“, sah ich durchs Fenster, wie wenn es eine Glastür wäre, eine Erscheinung eintreten, rasch, geräuschlos… Und schon befand sie sich in geringer Entfernung von meinem Bett, ohne es zu berühren. Sie hatte lange Ärmel und ihre Hände in den Ärmeln gekreuzt. Das Gesicht konnte ich nicht sehen. Es schien mir, als hätte sie eine Kapuze über den Kopf gezogen, etwas, das ich nie gesehen hatte. Sie hatte wohl einfach den Schleier herunterfallen lassen. Sie war groß und schlank – außer Atem – , keuchend, wie wenn sie gelaufen wäre, und von Zeit zu Zeit drehte sie den Kopf zum Fenster, woher sie gekommen, wie wenn sie draußen von jemand erwartet würde. Es schien mir, als hätte sie einen einfachen Strick als Gürtel. Sie war ohne Mantel. Ihr Kleid, das geradlinig herabfiel, schien mir dunkelbraun. Ich kann mich jedoch irren; ich sah mehr das Schattenbild als Einzelheiten.

Pater, ich gebe Ihnen hier den Bericht der Berufung.
Der allerseligsten Jungfrau Maria empfehle ich mein Bemühen, aufrichtig zu sein. Ich bitte sie, die das Schweigen geliebt, dass sie mich lehre, mich kurz zu fassen.

Diese Ordensfrau, die also ganz nahe an mein Bett gekommen war, brachte mich in große Angst. Ich glaubte, es wäre der Tod, der in eigener Person mich holen käme… Es war kein Schatten, kein Bild, es war eine Person; ich hätte sie berühren können, sah sie atmen und den Kopf bewegen. Ich war vor Angst wie versteinert. Ich konnte gerade noch den Kopf auf die andere Seite wenden und die Augen schließen, um sie nicht mehr zu sehen. Sie musste wohl einen Teil der Nacht geblieben sein; denn später, als ich aus dem Schlaf erwachte, schien sie mir noch da zu sein. Ich schloss rasch wieder die Augen, um sie nicht mehr zu sehen! Sie sprach nichts; aber ein Licht war in meine Verzweiflung gedrungen: „Bevor ich an Gott verzweifle, bleibt mir noch dieses: Ich werde in ein Kloster eintreten, um zu beten. Ich werde gehen, wenn meine Tante, mein ‚Mütterchen‘ (sie hatte uns erzogen) meiner nicht mehr bedarf – und mein Vater gestorben ist. – Es wäre unnütz, ihm diesen Kummer zu bereiten.“

In meinem Denken und Fühlen hatte ich so entschieden. Von jetzt ab wird sich tief unten in meinem Reisekoffer Wäsche befinden, an die ich nicht mehr rühren werde, die für meinen Eintritt ins Kloster bestimmt ist. Das ist sicher, – aber ich werde mit niemandem davon sprechen. Ich sagte nur am Morgen zu meiner Freundin, dass ich während der Nacht am Fuß meines Bettes eine Gestalt, eine Ordensfrau, gesehen habe.

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Alles, was man über Louisa weiß, ihre Ausgeglichenheit, ihr kritischer Geist, ihre Wahrheitsliebe, garantieren die Lauterkeit dieser Erzählung und zeugen zugunsten der Echtheit der berichteten Tatsachen. Die Zurückhaltung zeugt für ihre Absicht, nur das zu sagen, dessen sie sicher ist, ohne eine persönliche Wertung beizufügen. Sie wird das Erlebnis immer geheim halten, das ihr Leben gewandelt hat. Ihr Beichtvater hat erst nach ihrem Tode Kenntnis davon bekommen, als er das Schreiben las, das sie ihm kurz vorher übergeben hatte. Nachdem dieser Priester nach dem Kriege in die Schweiz gekommen war, konnte er die Freundin Louisas treffen. Zwanzig Jahre nachher konnte sich diese noch genau an den Besuch erinnern und an das, was ihr Louisa anderntags über diese Nacht erzählte, aber sie konnte keinerlei Einzelheit hinzufügen. Louisa hatte ihr auch nichts gesagt über die erlebte Wirkung in ihrer Seele und über ihren stillen Entschluss.

Diese Erscheinung ist kein Traum. Louisa besteht auf diesem Punkte. Sie ereignete sich, als sie wach war. Wäre es wohl eine Wirkung des Unterbewusstseins? Was könnte man angeben als Stütze für diese Vermutung? Diese nächtliche Person erhört kein Gebet, sie bewirkt einen Einbruch in ihr Leben und widerspricht selbst der Tiefe ihres Denkens. Auch ist sie unfähig, sie zu identifizieren und versucht es auch gar nicht. Sie hat wie eine „Ordensperson“ ausgesehen in einem Gewände, das sie nicht kennt, das sie aber wiederzuerkennen glaubt im Kleide der Klarissinnen.

Die Erscheinung bringt keine Botschaft, sie spricht nicht. Nach dem Schrecken des ersten Augenblicks erahnt Louisa in der Erscheinung eine wohlwollende Beschützerin, die herbeigeeilt ist, um über sie zu wachen. Der Eindruck ist schließlich nicht eine Verwirrung, sondern Friede.

Das entscheidende Element, das uns das Geschehen als wirkliche Tatsache annehmen lässt, das sind seine Folgen. In einem Augenblick wandelt sich das Leben Louisas. Aus der Hoffnungslosigkeit der Nacht über die Existenz und die Liebe Gottes geht sie über in eine Gewissheit, die, bemerken wir es wohl, gegen alles geht, was sie bis dahin geglaubt hatte. Eine Ordensperson, das Kloster… das ist ja der Katholizismus! Sie ist nicht ganz in Unkenntnis über diese Religion, aber ihre Kenntnis setzt sich aus Vorurteilen zusammen. Es gibt in ihr einen angeborenen Widerwillen, ererbt aus ihrem Milieu, gegen diese entartete Religion.

[…] – Louisa hat wohl recht, das Eintreten dieser geheimnisvollen Botin als Ausgangspunkt ihrer Konversion zu bezeichnen. Es ist die Wendung ihres ganzen Lebens, um nach Gott zu streben und den Willen Gottes zu erfüllen.

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Jesus spricht / 142

142.

Sie haben Mich ans Kreuz genagelt. Der Gehorsam wird auch deine Hände, deine Füße, dein Herz annageln. Aber denke daran, dass er dich an Mein Herz heften wird, damit nichts dich von Mir trenne! – Nein, nicht einmal der Tod kann dich trennen, begreife es! Denke daran, wenn die große Todesangst kommen wird!

 

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Jesus spricht / 141

141.

Denke daran, dass Ich in deinem tiefsten Innern dein Herz aufbrechen werde, damit deine Seele aus dem Gefängnis des Leibes entfliehe!

Was fürchtest du alsdann, da Ich es ja bin… (X)

(X) Wir glauben sagen zu können, dass Jesus wirklich Wort gehalten hat. Die Schwester starb ohne Todeskampf, ganz sanft und plötzlich, ohne dass auf ihrem Antlitz die Bitterkeit des Todes sich zeigte, die man gewöhnlich auf dem Gesicht der Sterbenden gezeichnet sieht. Jesus nahm ihre Seele zu Sich, wie man eine reife Traube pflückt.

 

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Jesus spricht / 140

140.

Ja, wer sucht, der findet, und Ich gebe dem, der Mich bittet. Aber Ich habe Freude, die Seele, die keine Bitte ausspricht und Mich erwartet, in einem Maß zu beschenken, wie sie es sich nicht hätte vorstellen können. Wenn du Mich für dich und andere um Gnaden bittest, dann beschränkt sich deine Aufnahmefähigkeit auf die Bitten. — Wenn du Mich aber erwartest, ohne etwas anderes zu erbitten als nur Mich, dann gibt es keine Grenze in deinem Herzen. Sobald eine Seele Mich erwartet, komme Ich zu ihr. Ich habe viele Arten, Mich vorzustellen und zu sprechen… Die Liebe ist’s, die sie Meine Sprache entdecken lässt.

 

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Jesus spricht / 139

139.

Man muss zartfühlend geben, im Stillen, auf Meine Art, damit der, welcher Nutzen aus der Gabe zieht, nicht wisse, woher sie kommt, und Gott dafür danke. Dann werde Ich dich sogleich belohnen, indem Ich deine Liebe vermehre.

 

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Jesus spricht / 138

138.

Wenn du den Trost der Geschöpfe hast, verberge Ich Mich und schweige. Und wenn die Geschöpfe dir zu leiden geben, hast du Meinen Trost. Meine Stütze, Meine Vertrautheit.

 

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Jesus spricht / 137

137.

Ich spreche zu jeder Seele, – Ich ziehe alle Seelen an Mich. — Ich lade sie ein… Viele vernehmen es nicht; viele horchen nicht. Ich, Der Ich euch niemals enttäusche, werde unaufhörlich enttäuscht. Gib Mir dein Blut, – willst du? Du liebst Mich ja, – dass Ich damit in flammender Schrift die beiden Worte schreibe, auf welche die Seelen warten:

Jesus – Ihn höret!

 

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Jesus spricht / 136

136.

Freue dich, Meine Vielgeliebte! Hast du nicht Eile, zu Mir zu kommen?… Ich sehne Mich danach, dich bei Mir zu haben. Ich sehne Mich danach, bis du vorbereitet bist. Tue körperlich und geistig Busse durch mehr Wachsamkeit in diesen Tagen, die dir bleiben, – damit deine Seele rein werde und sich zu Mir emporschwinge, wenn Ich dich rufen werde. Mache dich frei! Folge dem Antrieb der Liebe!

 

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Jesus spricht / 135

135.

Ja, Ich werde dich richten, — Ich, Der Ich dich so sehr geliebt und erwartet habe; Ich habe dir so viel geschenkt! Du wirst gerichtet nach deiner Antwort auf Mein Rufen, – über die Liebe, die du zu Mir gehabt bei allen Begegnungen, bei allen Gelegenheiten.

 

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Jesus spricht / 134

134.

Ich will dich in Meinem Herzen verborgen halten, nicht nur. damit du darin betest, sondern auch, dass du lieben lernst, – erfahrest, bis wohin die Liebe führt. Möchtest du Mich von allen Menschen geliebt sehen? In dem Masse, als du Mich liebst, wirst du dazu beitragen; denn die Liebe ist ein unwiderstehlicher Strom, viel gewaltiger als die Last der Sünden. Eine einzige Seele, wie klein sie auch sein mag, von Liebe ergriffen, kann eine Menge Seelen mit sich fortreißen.

Liebe Mich mehr! Oh, liebe Mich noch viel mehr, als die Menschen sich gegenseitig lieben! Du wirst leiden; aber deine Liebesfähigkeit wird mit jedem Leiden zunehmen.

 

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